Eigentlich wollte ich wieder damit anfangen, Gewalt in meinen Berichten auszusparen, weil ich sie auch im Alltag oft ignorieren kann, vor allem in dieser Woche, in der hinter jeder Ecke tausend Dinge warten, die unbekannt und beschreibenswert sind. Eigentlich sollte das hier ein Bericht über Jerusalem und seine Altstadt werden. Es gelingt mir aber nicht.
Ich sitze am Aussichtspunkt, von dem ich am ersten Tag das „Feuerwerk“ der israelischen Armee beobachten konnte und sehe diesmal zwar nichts, höre aber ununterbrochen das Feuern von Gewehren, das Knallen von Blendgranaten und noch lautere Geräusche, die ich nicht zuordnen kann. Ich habe noch nie Krieg erlebt und ich hoffe, dass das auch so bleibt, die Geräuschkulisse ist aber nah an dem, was ich mir unter Krieg vorstelle. Gewehre, kleine Explosionen, Sirenen von Polizei, Feuerwehr und Armee, all das wirkt ein bisschen wie im Film. Die seltsame Stimmung wird nur von ein paar Kindern unterbrochen, die die Geräuschkulisse Jerusalems wohl gewohnt sind und im Hintergrund auf einer Marimba herumklimpern.
Bevor sich jemand sorgen um meine Sicherheit macht, die kinoähnliche Atmosphäre kommt auch daher, dass sich all das Beschriebene viele Kilometer im Osten abspielt, jenseits der Mauer, auf die man von hier eine gute Aussicht hat. Auf meiner Seite der Mauer ist man meistens sicher.
Und doch wird der Tag kommen, an dem ich mit anderen Freiwilligen auf die andere Seite der Mauer gehen will, nach Jericho, Hebron oder Qumran. Hoffentlich bleibt die Situation stabil genug dafür.
So, das war es mit diesem Nachtrag zur Sicherheitslage, dieser Anhäufung von Gedanken. Der nächste Beitrag handelt dann vielleicht wirklich von Jerusalem.