Über den Jordan: Jerusalem nach Amman


Fast vier Monate, nachdem sich die Ereignisse dieser Geschichte tatsächlich zugetragen haben, möchte ich nun doch einmal von meiner Reise nach Jordanien erzählen. Es war eine sehr ereignisreiche Reise, weshalb ich sie in mehrere Beiträge geteilt habe, viel Freude beim Lesen.

Schon bald nachdem ich in Israel gelandet war, kam mir und vielen anderen Freiwilligen der Gedanke, dass man ja von Jerusalem aus auch in Nachbarländer reisen kann. Nun sind Israels Nachbarn ein wenig eigen, zumindest verglichen mit den Ländern, mit denen Deutschland sich eine Grenze teilt.

Ägypten im Südwesten hat einen Friedensvertrag mit Israel, es gibt einen Grenzübergang, aber der Sinai reizte mich nicht so sehr und in die großen Städte ist es sehr weit (ungefähr 6 Israels bis Kairo). Die Hamas aus dem Gazastreifen droht täglich mit der Vernichtung Israels und führt immer mal wieder Krieg mit ihm, außerdem hat dieses Stück Land auch keinen wirklich starken Tourismussektor. Der Libanon ist zwar sehr schön, im an Israel grenzenden Süden herrscht aber die Hisbollah, gute Freunde der Hamas. Man müsste außerdem erst an den Blauhelmsoldaten durch den eigentlich seit langem verriegelten Grenzübergang vorbeikommen. Östlich davon liegt noch Syrien, aber mal ehrlich, ‘Ich fahr übers Wochenende nach Aleppo’ möchte weder ASF noch meine Familie gerne hören. Wenn man dann die ‘Palästinafrage’ mal kurz ausklammert, dann bleibt nur noch Jordanien. Auch mit diesem Land hat Israel einen Friedensvertrag, Krieg gab es schon seit 1967 nicht mehr und immer mehr Israelis gehen dorthin, um sich die Wüste und Petra anzusehen. Also entschieden wir uns für Jordanien.

Wir tauschten Geld, den ziemlich schwachen Schekel in den lächerlich starken jordanischen Dinar, der fest an den Dollar gebunden ist und einen Europäer vollends aus der Fassung bringt (Falafel im Brot für einen Viertel Dinar). Wir buchten auch Unterkünfte, hatten uns für die erste Nacht allerdings bei einer jordanischen Freiwilligen einquartiert, die wir in Jerusalem kennengelernt hatten.

Nach der Arbeit ging es dann los, Laurenz, Evelyn und ich trafen uns am ZOB, um mit dem Bus nach Afula zu fahren, einer Stadt in Nordisrael, nicht so weit vom Grenzübergang. Dort würden wir eine Nacht verbringen, um dann am nächsten morgen früh über die Grenze zu kommen, denn im Internet hatte man uns vor ewigen Wartezeiten gewarnt. Am nächsten morgen fuhren wir früh mit dem Zug nach Beit Sche’an, wo der nördliche der drei Grenzübergänge liegt. Dort stiegen wir dann in den Bus, den wir dann eine halbe Stunde vom Grenzübergang entfernt verließen. Es nieselte und die anderen dachten darüber nach, zu trampen, aber ich konnte nur an das Gefühl von Frustration denken, welches in mir aufkäme, würde man mich noch vor Beginn der ersten Reise entführen, weshalb ich für das Laufen plädierte. Noch bevor wir uns entschieden hatten hielt neben uns ein Auto mit dem wohl fürsorglichsten Typus Mensch, den es auf dieser Welt gibt: einer jüdischen Mutter. Sie scheuchte ins Auto und fuhr uns schnell zum Grenzübergang.

Dort begrüßte uns die gähnende Leere der Ausreisehalle. Wir bezahlten unsere Ausreisegebühr, ließen unsere Taschen kontrollieren und kauften dann ein Ticket für den Bus über den Jordan, der hier noch ein ziemlich knuffiger Bach ist. Die israelischen Grenzbeamten waren so unhöflich wie unkompliziert, sonst hätte man sie wohl nicht eingestellt. Die Jordanier glänzten bei unserer Ankunft an ihrem Grenzterminal erstmal durch eine erfolgreiche Verwirrtaktik. Überall um uns herum waren Türen zu großen Gebäudekomplexen, ohne dass erkenntlich war, wo man denn zu den Grenzbeamten kam. Wir versuchten eine der Türen und fanden uns in einer marmornen Halle wieder, in der drei Beamten hinter sehr pompösen Schreibtischen Dienst versahen. Die enorme Menge an Orden an ihrer Brust ließ vermuten, dass wir es hier mit der Elite des jordanischen Beamtenapparats zu tun hatten, da es sich aber um Männer handelte, die den ganzen Tag nur böse schauen, im Reisepass die richtige Seite stempeln und hin und wieder laut etwas auf arabisch rufen müssen, bedeuten die Orden wohl etwas anderes. Vielleicht kriegt man sie alle 1000 Visastempel, die man gemacht hat, wer weiß das schon in einem Land, in dem ich diesen Satz nicht öffentlich hätte äußern dürfen.

Unsere Pässe wurden also gestempelt, während der Mensch hinter dem Stempel immerzu an Level 392 von Candy Crush scheiterte, sein Kollege schaute noch einmal über das gestempelte, befand es für gut und ließ uns passieren. Es ging also wieder in den Nieselregen, nur dass alles um einiges heruntergekommener aussah. Wir waren die einzigen Gäste am Taxistand und es fand sich schnell ein Fahrer, der uns nach Amman, der Hauptstadt Jordaniens, bringen würde. Ich öffnete die Route auf meinem Handy, der Weg führte durchs Jordantal und dann noch einige Kilometer hinauf in die Stadt. Sobald er konnte fuhr der Fahrer allerdings von der Fernstraße ab und durch einige Dörfer immer näher an die syrische Grenze. Es wurden verschiedene Möglichkeiten durchgesprochen. Man könnte Steffen Seibert anrufen und ihn um sofortige Hilfe bitten. Man könnte den Fahrer überwältigen und dann selbst nach Amman fahren, am besten gleich zur deutschen Botschaft. Dann bog der Fahrer aber plötzlich in eine Landstraße Richtung Amman ein und folgte danach an jeder Kreuzung dem Vorschlag meines Navigationssystems, was merklich zu unserer Entspannung beitrug. So konnten wir auch mal darauf achten, dass im Radio gerade ein ganz furchtbares deutsches Lied lief, welches es irgendwie ins Studio von Radio Amman geschafft hatte (Neustart – Nevada Tan).

Nach ungefähr zwei Stunden waren wir dann in Amman, setzten uns in die Wohnung, in der die jordanische Freiwillige wohnte und ruhten uns aus. Nach einiger Zeit machten wir uns dann aber doch noch aus, um etwas zu Essen. Wir gingen in die sehr untypische Altstadt, aßen eine Pizza und eine sehr billige Falafeltasche, direkt neben einem deutschen Handwerkerwagen, der irgendwie seinen Weg nach Amman gefunden hatte. Wir schauten uns noch das römische Amphitheater an und gingen mit unserer jordanischen Freundin in eine Bar. Die Anstrengungen danach ließen uns aber sehr bald ins Bett fallen, denn wir hatten nur noch den nächsten Tag um Amman zu sehen, danach ging es nach Süden. So endet Teil 1 dieser Geschichte.


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